GLHL #004

Nach Wochen haben wir es wieder geschafft und ranten fröhlich im neuen Podcast vor uns her.

Thema ist das „neue“ Zugezogen Maskulin Album „Alle gegen Alle“, in dem Eiske eindeutige Sympathien zur antideutschen Sache entdeckt, was Janek eher anders sieht. Gegen Ende reden wir noch über die #metoo-Debatte und sind uns selten einig.

Hier gehts zum Podcast

Viel Spaß! Und teilt, likt ofer zerreisst den Kram!

PS: Wir versuchen das immer noch auf die Podcastapp von itunes zu laden, scheitern aber ein bisschen. Wer also Tips hat, gerne nennen.

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Alle Jahre wieder…

Pünktlich zum 09. November füllen sich die deutschen Zeitungen mit dem gleichen Thema. Dem Mauerfall vor mittlerweile 28 Jahren. (Manch einer erwähnt noch ein Ereignis älteren Datums, 1938, doch das scheint an der eigenen Filterblase zu liegen.) Trotzdem ist der Mauerfall kein Grund zum Feiern, sondern zum Bilanz ziehen. Und die sieht regelmäßig mau aus. Große Differenzen zwischen Ost und West, keine gemeinsame Identität . Kurz und knapp: die Einheit ist gescheitert. Und die Schuldigen sind schnell gefunden. Die Westdeutschen. Diese Art des Reenactments findet mit solcher Regelmässigkeit statt, dass man von einem Ritual ausgehen könnte. Erneut stilisieren sich Ostdeutsche als Wendeverlierer, als von der Teilhabe ausgeschlossen. Wohlgemerkt: 27 Jahre nach der Wende.

Der sich mokierende Ostdeutsche gleicht dabei seinem Klischee des „Jammer-Ossis“ und findet sich nicht fähig, über blosses Genöle und Schuldzuweisungen hinaus zu argumentieren. Richtig ist, dass die Mehrheit der Menschen im Bundestag aus der BRD stammen. Richtig ist auch, dass die meisten Firmen in Westdeutschland sitzen. Doch das hat weniger mit einer westdeutschen Verschwörung zu tun, sondern mehr mit strukturellen Bedingungen. Strukturschwach war diese Region auch lange vor den Weltkriegen, das hat weniger mit 40 Jahren Planwirtschaft zu tun. Heute gilt:  Wer kann, geht weg. Wer nicht dazu fähig ist oder nicht will, der bleibt – und meckert. Natürlich gibt es auch Ausnahmen bei diesen Wendeverlierern, doch selbst in der sogenannten Mittelschicht herrschen starke Vorurteile gegenüber Westdeutschen, selbst, wenn diese seit 25 Jahren dort Leben.

Wenn ostdeutsche Menschen über die „Hegemonie der Westdeutschen“ in der DDR und über Elitenbildung und „alte Seilschaften“ der Wessis sich mokieren, hat mensch den Eindruck, es handelt sich um ein Zitat aus den frühen Neunzigern. Jedoch wurde hier die Studie zitiert, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Mit dem Vokabular, das dem des „Arbeiter- und Bauernstaates“ erstaunlich ähnelt, wird gegen das vermeintlich wohlhabendere Gebiet Deutschlands gewettert. Dass NRW pleite ist und trotzdem weiterhin den Solidarpakt zahlt, wird vergessen. Auch, dass nachwievor Projekte zum Auf- und Ausbau der Infrastruktur in den neuen Bundesländern Vorrang haben, auch. All das findet kaum Erwähnung in den Medien – den westdeutschen eingeschlossen.

Doch nicht nur die Westdeutschen tragen die Schuld am Siechtum des gemeinen Ostdeutschen. Nein, auch diejenigen, die es „geschafft“ haben, die sich dem neuen System angedient haben. Nach der Wende war den Menschen in Ostdeutschland prinzipiell jeder verdächtig, gerade in den eigenen Reihen. Der eine Ossi gönnte dem anderen Ossi nicht den Dreck unter dessen Fingernägeln. Einzig das gemeinsame Feindbild des raffgierigen Westdeutschen schuf so etwas wie eine gemeinsame Identität. Doch Solidarität blieb Mangelware. „Was nützt mir das?“ schien die treibende Frage zu sein. Fast 40 Jahre Stasi-Erfahrung haben den Ossi zu einem äusserst misstrauischem Einzelgänger gemacht.

Das merkt man dem verwendeten Vokabular an. Es teilt die Seiten in klare Parteien ein. Auf der einen Seite der kleine Verlierer gegen den großen, raffgierigen und feisten Gewinner. Und doch haben die Marktschreier Recht: die Wende ist gescheitert.  Der Grund liegt nicht an der „Überstülpung des westdeutschen Systems“, sondern vielmehr in der Tatsache, dass Bequemlichkeit und die scheinbare Sicherheit des alten Staatsapparates flöten gingen. Die ehemaligen DDR-Bürger wurden auf einmal, quasi über Nacht zu mündigen Bürgern, die für sich selbst und ihr Handeln verantwortlich sein sollten. Doch genau das, diese Freiheit, die wollen und wollten sie doch nicht annehmen. Stattdessen: Warten auf die gute Alte Zeit, als es in „unserer Kleinen DDR“ noch beschaulich zuging. Doch diese Jahre sind lange vorbei.

Geteiltes Leid ist Halbes Leid #001

Nachdem jeder Mensch jetzt podcastet, gibt es das jetzt auch hier. Rants, Gossip, Politik und Hip Hop. Dazu gibt es Bier, Zigaretten und Sticheleien gegen Jan Böhmermann. Alles wie immer also.

In der ersten Folge reden wir über die Bundestagswahl und das neue Album von Casper „Lang Lebe der Tod“.  Ein bisschen witzig wird es auch. Versprochen.

Hier kann man sich den Podcast anhören

Hauptsache, Trump verurteilen

Donald Trump hat gestern eine Resolution gegen Rassismus, die vom Kongress in die Wege gebracht wurde, unterzeichnet. Das ist Symbolpolitik nach den Ereignissen in Charlottesville, wobei man sich jetzt fragen könnte, warum genau es den deutschen Medien eine Meldung wert ist. Dabei vergessen diese nicht mit vollster Empörung zu erwähnen, dass dies nur auf Druck des Kongresses geschah. Auch die Tatsache, dass Trump später meinte, dass es bei der Antifa „einige ziemlich üble Kerle“ gebe, lässt die Journalistinnen in Schnappatmung verfallen.
Soweit, so verwerflich. Schlimm genug, dass sich die deutschen Medien darüber echauffierten, als hätte Trump rechtsextreme, rassistisch motivierte Taten nun salonfähig gemacht.
Dabei vergessen genau diese Medien, dass gerade beim Umgang mit der verbotenen und Webseite linksunten.indymedia, der „zentralen Plattform für gewaltbreiten Linksextremismus“ und die Diskussionen nach den G20-Protesten auch die deutsche Politik in genau das gleiche Horn stößt. Spätestens seit „Hamburg 2017“ wird linke Gewaltbereitschaft scharf verurteilt, während sich keine Woche nach G20  in aller Öffentlichkeit Neo-Nazis sich zu einem Konzert in Themar versammelten. Im Oktober soll ein weiteres stattfinden, es wird sogar angegkündigt mit „Gegen Links“. Doch anstatt diese Janusköpfigkeit der deutschen Politiker zu kritisieren, wird ihnen von vielen Seiten Beifall gezollt. Das zeigt, wie sehr die deutschen Medien sich auf Trump eingeschossen haben und mit welchem Überlegenheitsgefühl sie auf dessen Entscheidungen herabsehen.